der blick

als ich hinausging
stahl ich einen blick
trug ihn mit mir herum
den lieben langen tag
bis er welk ward

ich wickelte ihn
in meine erinnerung
um in zu bewahren
so gut es ging
zu bewahren
für schlechtere tage





Wenn der Bogen zerbrochen ist,
und du keine Pfeile mehr hast,
dann schieß,
schieß mit deinem ganzen Sein

aus dem Zen-Buddhismus

der durst

übermorgen kann der durst nicht
größer sein als morgen
als heute
gestern

der durst nach liebe
die in sich selbst ertrinkt
der durst nach nähe
die sich selbst einsperrt
der durst nach ewigsein
im unerträglichen jetzt

die schlange mit dem schwanz
im maul 
sie beißt sich selbst

sommerabend

es gibt nicht viel zu sagen
ein luftzug nur der
die gardinen bewegt
ein leises winken der blätter
im abendwind
auch die vögel sind
still

vielleicht wird
ein gewitter kommen
und dich und mich und die welt
aufstören aus dem traum
der wie ein schleier
hängt überm ende des tages
wie ein feines netz
unsre abendgedanken
fängt und wiegt

sayonara

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auf der alten Rheinstrecke

eine Burg, nur mit dem Kahn
zu erreichen
umspielt von silbernen Wellen

Kormorane mitten im Fluss
wie junge Frauen
mit langen Hälsen

die Geigerin nebenan studiert Noten
ihre Füße sind den Schuhen entschlüpft
die Zehen krallen Luft

ich halte die Luft an
und pflücke den Moment




die Endlosschleife

sie kamen aus den Wäldern
marschiert und
nahmen mich in ihre Mitte
es war meine Zeit
ihre Zeit war längst um
sie lebten fort als Schatten
des großen Krieges der
sich ständig erneuert
sie rauchten hastig
die immer letzte Zigarette
nahmen den letzten Schluck
tanzten den letzten Tanz
in einer Endlosschleife
gefangen
unerlöst
und ich in ihrer Mitte

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