Warten

Ich hülle mich ein in die Zeit
Eine Decke so schwer und so leicht
Ich ziehe die Beine ganz nah untern Leib
Und krümme den Rücken
Ganz klein

Ich lieg in deiner Hand
Die mich weckt
Irgendwann

Irgendwann
Bist du meine Sonne
Bin ich dein Mond

Bist du mir die Sonne
Schenk ich dir den Mond

der Schrei des Habichts


über den Wipfeln
sein Schrei
                            allein
der Schrei
über den Wipfeln


Samstag

morgen
der Tag des HERRN
den keiner
kennt

wenn du nicht da bist

wenn du nicht da bist
und es wird dunkel
dann kriecht ein Sehnen
über die Bettdecke

wenn dazu der Mond
voll und rund ist
besoffen
von seiner eigenen Fülle

dann hilft nur
Füße warmhalten
mit einer Bettkatze
sonst ist's arg

wenn's arg wird
dann flüstern die Schatten
aus den Ecken
und hauchen ins Ohr

und es hilft nur
unter die Decke kriechen
und so tun als schliefe
das kleine ich

Und dann stehst du am Meer

Und dann stehst du am Meer
und der Himmel spannt
sein blaues Tuch
über dir

Du löst es
vorsichtig

es ist leicht wie eine Feder

Du breitest sein feines Wolkengespinst
zu deinen Füßen in den Sand
und freust dich
dass der Himmel jetzt
hier ist

so leicht so blau

Du machst einen Kopfstand
- du kannst es noch -
und alles hat
wieder seine Ordnung

Vogelherbst

dieses vielstimmige Zwitschern
ist eine einzige überschäumende Welle
der Vorfreude
mitreißend
all jene die bleiben


Reisegedanken

reisen
um nicht anzukommen
.

um die halbe Welt
sich selbst auf dem Buckel tragen
.

und dann stehst du am Meer
und der Himmel fällt dir
auf den Kopf
.

Wolken treiben
nie westwärts
.

Heimweh ist
ein schwarzer Schwan