abends lesen

und
vor dem schlafengehn
ins wortkino wo
die wörter ziehen
wie stare in den süden
in wilden wolken
sich einnisten
im kopfkino
traumfänger brüten
bis zum morgen

die weiße Taube

Ich räume mir Platz ein
in meinem Leben
Raum nur für mich

Klopf an
bevor du eintrittst
Tritt vorsichtig ein
Barfüßig
Könnte sein
dass die weiße Taube
sonst flieht
eh du dich versiehst

Du könntest sie nicht
halten
Du fändest mich
nicht


Knospe

Die Knospe einer Liebkosung,
von keinem Gärtner gepflegt,
im Laub meines Körpers verborgen,
langsam,
unaufhaltsam sich öffnend,
macht mich freund* mit mir selbst.


* dieser Text ist eine Hilde Domin-Variation - bei ihr heißt es:
"macht mich fremd mit mir selbst"

???


Wie tief sind tausend Tränen?

Wann reist* ein starkes Band?

Was ist ein loses Ende?

Was währt endlos?

Gibt es die Frage aller Fragen?


Geht der Winter, wenn wir „Winter ade“ singen?


 * ich habe mich nicht verschrieben

atmen



gemeinsam atmen
ist ein fetzen blau
vom himmel

kleiner tod

ich sterbe
tausend tode sagt man
dabei genügt doch einer
ein einziger kleiner
genügt
um zu zerstören
was noch im wachsen
gerade am entstehen
noch nicht am ende
ein einziger kleiner tod
mit einem lächeln
überspielt
ein winzig trauriger
schatten der sich
im spiegel deiner augen
bricht
wie vorher das licht

back to black

Sehnsucht implodiert
so winzig mein All
keine Leiter ist fein genug
Kolibriflügel sind
kostbarer Stoff

mir die Sehnsucht
aus den Rippen schneiden
wünschte ich mir
sie fein säuberlich sezieren
und es gut sein lassen

back
to black

(für Amy Winehouse)
back to black