Tatort Ost

Freilaufende Kinder
Lärmende Kinder
Bälle die an Mauern prallen
Bälle die durch Scheiben fliegen
Bälle die auf Dächern landen
Bälle die haarscharf
Am Kopf vorbei zielen
… Tor

Der Lan von gegenüber
Händchen haltend
Mit weiblichem Pendant
Nie dieselbe immer die gleiche
Langhaarige und ihr Hund
Immer derselbe immer der freche
Fröhlich kläffende kleine
… Köter

Hinter vergilbten Gardinen
Plärrende Volksmusik
Serviert zu lauer Abendstunde
Dazu Ströme von Warmbier
An Zigarettenqualm
Zum Dessert dann Streit
Bis der Arzt kommt
… Tatort Ost

 .

Auszug aus dem gelobten Land -
die Nachbarn kehren zurück
in den Süden

.

Mondnacht

wie viele Krater
hat der  volle Mond?

ich zähle endlos
nicke endlich ein
im Traum hör ich das Gras
für seine Kälber sprießen
ich heule mich
an seiner kahlen Schulter aus
bedecke seinen kühlen Mund
mit Küssen
bis er mir bleich
verwäscht
im Morgenlicht
bis Vogelstimmen
picken
an meinem Traum
dann küss ich ihn
ein letztes Mal
und lass ihn
ziehn
denn er ruht aus
wenn unser Tag
anbricht

kurz und bündig

.
kurz und bündig
hält vielleicht ein leben
lang
.

was lange währt
scheint
unendlich
.

unendlich
ist irgendwann
zu ende


.


früher wie heute

die fehlenden Teile
blieben verschwunden

keiner wusste wohin

alle Nachforschungen
waren erfolglos
Ersatzteile so rasch
nicht lieferbar

die Löcher mussten
notdürftig geflickt werden
auf die alte Art

.

Ein Loch ist im Eimer, lieber Heinrich, lieber Heinrich
Ein Loch ist im Eimer, lieber Heinrich, ein Loch!

Verstopf’ es, liebe Liese, liebe Liese, liebe Liese
Verstopf’ es, liebe Liese, liebe Liese - mach’s dicht!

Womit denn, lieber Heinrich, lieber Heinrich, lieber Heinrich
Womit denn, lieber Heinrich, lieber Heinrich - womit?

Mit Stroh, liebe Liese, liebe Liese, liebe Liese
Mit Stroh, liebe Liese, liebe Liese - mit Stroh!



Menschenbilder

Da ist dieser muslimische Student, der unvermittelt seinen Rucksack beiseite stellt, ein Stück Stoff auf dem kalten Steinboden ausbreitet (direkt neben den Fahrradständern an der Uni) und sich gen Mekka verbeugt und betet.  Die Richtung vorgegeben. Zielsicher in seinem Glauben.

Da ist die junge Frau in der Oper, mehr breit als hoch gebaut. Sie trägt vor allem eine Handtasche aus rotem Lackleder, dazu ein mittelblaues, zu kurzes Kleid, dazu passende blaue Strümpfe und überaus zarte Stiefeletten im selben Blau mit Rot. Blau und Rot ist Bauernmod'. Stämmig. Eine Wucht.

Da ist die ältere Frau, der die Jugend ins Gesicht geschrieben steht, eine kostbare schwarze Tulpe. Die Augen Vergiss-mein-nicht. Der Mund Küss-mich-ich-bin-der-Frühling. Die Haare Rotgewölk im Abendlicht. Und neben ihr der Herr, so unscheinbar.

.

frühlings erwachen
und du
bist noch da
.